Freitag waren wir gleich noch beim Arzt, als mein Schatz im Wartezimmer ihr Problem zur Sprache brachte (Mama, hat Papa dann auch Läuse?) wurden die Blicke unserer Mitpatienten deutlich kühler. Dabei möchte ich nicht wissen, was die anderen für unappetitliche Dinge hergeführt hatte. Ich könnte mich stundenlang über eine solche Ignoranz aufregen. Wahrscheinlich muss ich froh sein, dass niemand aufgestanden ist. Ob das noch an der Stigmatisierung durch die Nazis liegt? In den KZs wurden ja die Juden unter dem Vorwand der Entlausung in die Gaskammern geführt, also wurden diesen dadurch auch noch unterstellt, die Volksgesundheit zu gefährden, aber die Läusebekämpfung war schon immer eine staatstragende Angelegenheit, wie es scheint, ich muss das mal nachrecherchieren…
Mein Mann ist übrigens nicht betroffen, ich auch nicht. Muss ich mir jetzt mangelnden Körperkontakt zu meinem Kind vorwerfen lassen? Komisch worüber man sich so plötzlich Gedanken macht.Â
Der Arzt machte mir als erstes klar, dass meine Bettwäsche-Aktion eigentlich überflüssig war, da Kopfläuse nur und ausschließlich auf dem Kopf meiner Kleinen überleben können und nach spätestens 60 Stunden ohne Nahrung verhungern. Das macht doch Hoffnung, dass wir durch diese Geschichte relativ schnell durch sein können. Vorsichtshalber solle ich aber noch die Kuscheltiere waschen - da bin ich selbst gar nicht drauf gekommen. Meine kleine Maus bekommt nun Jacutin Pedicul verschrieben und wie soll es anders sein, es war natürlich nicht vorrätig beim Apotheker, ich neige ja nicht zur Hysterie, aber ich möchte die Viecher ja dann doch so schnell wie möglich wieder loswerden. Die gesellschaftliche Stigmatisierung wirkt schon…
Habe mich auch gewundert, wie schnell die Diagnose gestellt war, also jetzt nicht beim Arzt, sondern im Kindergarten, schließlich wurde ich hier nämlich noch über Kleiderläuse und Flöhe und anderem widerlichen kleinen Parasitenviecher informiert, was so alles auf Menschenköpfen leben kann.
Samstag haben wir dann die Behandlung begonnen.
Vom Ei über das Larvenstadium zur ausgewachsenen, geschlechtsreifen Kopflaus benötigt sie nur einen Zeitraum von etwa 17 bis 22 Tagen . Ausgewachsene Kopfläuse leben etwa vier Wochen und die Läuseweibchen können täglich zwischen 20 und 30 Eier legen, so dass ein Weibchen etwa für eine Weiterverbreitung von 90 bis 140 Eiern während ihres etwa vierwöchigen Lebens sorgt.
Die Nissen, wie die Läuseeier mit ihren sichtbaren Chitinhüllen auch bezeichnet werden, werden von den Läuseweibchen in die Nähe der Kopfhaut ans Haar geklebt. Dieser Klebstoff ist mit Wasser allein nicht aufzulösen. Die Chitinhüllen schützen die Eier vor der Umwelt, weswegen die heutzutage zugelassenen Läusemittel nicht oder nur sehr eingeschränkt gegen die Eier in den Nissen wirken.
Bevorzugt legt die Läusemutter die Eier an den Schläfen, im Nacken und hinter den Ohren ab, dort findet das Läuseweibchen die für die Entwicklung der Eier die ideale Temperatur. Nach 6 bis 10 Tagen nach der Eiablage schlüpfen die Larven aus den Eiern. Sie sind kleiner als ausgewachsene Läuse, aber schon genauso aktiv und schnell, wie die Laus im erwachsenen Stadium.
In der ersten Woche können die Larven aber den Kopf ihres Wirtes noch nicht verlassen - es geht also eine Woche lang noch keine Übertragungsgefahr von ihnen aus.
Nach etwa 9 bis 11 Tagen entwickeln sie sich jedoch zu ausgewachsenen, geschlechtsreifen Läusen und es kommt erneut zur Eiablage - der Lebenskreislauf der Parasiten beginnt von Neuem.
Kopfläuse sind speziell an den Menschen angepasst, zählen zu den sogenannten “Menschenläusen” und leben ausschließlich auf ihm. Bei der Auswahl des Wirtes sind sie nicht wählerisch - jeder behaarte Kopf ist ihnen als Nahrungsquelle willkommen.
Kopfläuse werden direkt von Mensch zu Mensch übertragen – deshalb kann jeder, der Kontakt zu anderen Menschen hat Kopfläuse, bekommen. Ganz besonders gilt das natürlich ganz für Kinder, da diese ja gern ”die Köpfe zusammenstecken”.Â
Wenn Sie bei Ihrem Kind Kopfläuse finden, können Sie also in der Regel davon ausgehen, dass es nicht das einzige betroffene Kind in der Einrichtung ist.
Dadurch kommt es in Schulen und Kindertagesstätten immer wieder zu regelrechten Läuseplagen. Das liegt auch daran, dass es immer noch Eltern gibt, die aus falschem Schamgefühl dfas Problem lieber verschweigen. So haben die Kopfläuse haben genügend Zeit, sich von Kopf zu Kopf weiter zu verbreiten…
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