Läuse im Haar

Was man gegen Kopfläuse unternehmen kann

Archiv: Juli 2008

Wie beurteilen Sie das Nutzen-Risiko-Potential herkömmlicher Insektizide?

Permethrin und Pyrethrumextrakte bergen theoretisch die Gefahr einer Nervenschädigung, jedoch wurden bisher bei sachgemäßer Anwendung zur Behandlung von Kopfläusen keine dementsprechenden Nebenwirkungen beobachtet. Die großflächige Applikation insektizidhaltiger Mittel – wie beispielsweise zur Behandlung der Skabies (Krätze) erforderlich – kann jedoch in seltenen Fällen mit neurotoxischen Nebenwirkungen einhergehen, wie aus der Literatur hervorgeht.
Weiterhin ist bei der Anwendung zu bedenken, dass die Resorption über die Kopfhaut relativ hoch ist im Vergleich zu anderen Hautarealen. Kratzexkoriationen erhöhen die Resorptionsrate und damit das Nebenwirkungsrisiko. Auch ist zu beachten, dass die Hautbarriere bei Kleinkindern noch nicht voll entwickelt ist und somit auch für eine erhöhte Aufnahme des Kopflausmittels ursächlich sein kann. Dieses ist besonders von Relevanz, da uninformierte Eltern oftmals dazu tendieren, die Produkte zu oft oder zu lang zu applizieren (nach dem Motto „viel hilft viel“ ).
Wie bereits aus mehreren Ländern berichtet (Großbritannien, USA, Israel und Dänemark), sind zunehmend Resistenzen gegenüber den klassischen Kopflausmitteln aufgetreten. Es gibt viele Hinweise, allerdings noch keine konkreten Zahlen, die eine Resistenzproblematik auch in Deutschland vermuten lassen.

Was ist für die Therapie von Kopflausbefall entscheidend? Welche Therapieoptionen sind sinnvoll?

Ziel der Behandlung ist die Abtötung geschlechtsreifer Läuse, Larven und Eier. Da die ovizide (eiabtötende) Wirkung nicht immer erreicht wird, ist die Behandlung nach acht bis zehn Tagen zu wiederholen. Unabhängig vom Präparat sollten die Haare nach der Therapie gründlich mit einem speziellen feinzinkigen Kamm ausgekämmt werden, um die abgetöteten Läuse und Eier sowie die „hellen“ Nissenhüllen zu entfernen. Diese Auskämmmethode hat nicht nur therapeutisch Vorteile, sondern auch diagnostisch; bei Verdacht auf Kopflausbefall werden so wesentlich mehr Läuse/Nissen entdeckt als im Vergleich zur reinen visuellen Diagnostik. Kopflausmittel umfassen die Wirkstoffe Permethrin, Pyrethrumextrakt und Allethrin. Als Medizinprodukte sind Dimeticon und Kokosöl auf dem Markt (nach Roter Liste). 

Haben Kopfläuse etwas mit mangelnder Hygiene zu tun und übertragen sie Krankheiten?

Während Kleiderläuse in Endemiegebieten ernsthafte Erkrankungen  übertragen können, geht von den Kopfläusen diesbezüglich keine Gefahr aus. Ein enges Zusammenleben mit vielen Menschen erhöht die Übertragung von Kopfläusen. Die Kopfläuse sind, was die hygienischen Verhältnisse betrifft, überhaupt nicht wählerisch. Zum Blutsaugen spielt es keine Rolle, ob es sich um einen gerade gewaschenen oder einen seit mehreren Tagen nicht gewaschenen Kopf handelt. Häufiges Haare waschen führt zu sauberen Haaren und  Läusen.

Wer ist von Kopflausbefall besonders betroffen?

Unabhängig vom sozialen Status sind vorwiegend Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren betroffen. Dass  Mädchen häufiger als Jungen betroffen sind, hat einen einfachen Grund: Mädchen stecken länger und intensiver die Köpfe zusammen (zum Tuscheln) als Jungen. Weiterhin begünstigen Gemeinschaftseinrichtungen die Ausbreitung aufgrund enger zwischenmenschlicher Kontakte.

Durch welche klinischen Symptome machen sich Kopfläuse bemerkbar?

Juckreiz ist das Resultat einer immunologischen Reaktion auf ein Protein, das sich im Speichel der Laus befindet. Dieses Protein wird während der Blutmahlzeit von der Laus in die Kopfhaut abgegeben und löst über das Immunsystem des Menschen Juckreiz aus, der mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität (u.a. Schlafstörungen) verbunden sein kann.  Juckreiz wird mit Kratzen beantwortet; die entstehenden Kratzeffekte (Exkoriationen) gelten als  Eintrittspforten für Bakterien und erhöhen das  Risiko bakterieller Superinfektionen. Vergrößerte Lymphknoten, Pusteln (Eiterbläschen), Krustenbildung, Verklebungen der Haare, Nässen und eine Abszessbildung können daraus entstehen.
Bei einigen Patienten lässt sich im Nackenbereich das so genannte Läuseekzem (Rötung, juckende Knötchen, Schuppung, Kratzeffekte) nachweisen, das ebenfalls auf eine immunologische Reaktion gegenüber Läusen/Läusebestandteilen (besonders, wie oben bereits aufgeführt, der Speichel der Läuse) zurückzuführen ist.

Kopflausbefall ist die häufigste Parasitose im Kindesalter und steigende Verkaufszahlen der Läusemittel deuten darauf hin, dass Kopfläuse weiter auf dem Vormarsch sind – wo sehen Sie die Gründe hierfür?

Steigende Verkaufszahlen können für eine Zunahme der Neuerkrankungen sprechen, aber auch auf eine Abnahme der Wirksamkeit herkömmlicher Mittel hinweisen (z.B. durch Resistenzen). Entsprechende Untersuchungen hinsichtlich dieser Frage einschließlich der Resistenzuntersuchungen und Anwendungsstudien, die die herkömmlichen mit den neueren Kopflausmitteln vergleichen, sind zu fordern.

Trotz einer Vielzahl wirksamer Pedikulozide ist weiterhin eine Zunahme der Kopflaus-Fälle zu verzeichnen. Am häufigsten sind Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren betroffen. Die hohe Prävalenz ist neben dem Nicht-Einhalten der Behandlungsvorschriften vermutlich auch auf Resistenzen gegenüber den klassischen Pedikuloziden zurückzuführen, wie zunehmend aus anderen Ländern, wie Großbritannien, USA, Israel und Dänemark, berichtet wird. Zur Resistenzsituation in Deutschland liegen noch keine Zahlen vor. Es ist jedoch zu vermuten, dass auch hier mit einer Resistenzproblematik gerechnet werden muss. 
Das Nicht-Einhalten der Behandlungsvorschriften, also Fehler in der Anwendung (z.B. Verwenden einer nicht ausreichenden Menge des Kopflausmittels, Nicht-Einhalten der Einwirkzeit, keine Wiederholung der Therapie, ungleichmäßig aufgetragenes Kopflausmittel, Verdünnung des Kopflausmittels bei Applikation auf tropfnasse Haare), die immer wieder zu beobachten sind, erhöhen das Risiko des Therapieversagens und damit auch das Auftreten von Komplikationen. Hierzu zählen beispielsweise bakterielle Infektionen durch Staphylococcus aureus oder Streptokokken  (Pyodermie), die mit den u.g. Symptomen einhergehen.

Die Angst vor Stigmatisierung durch die Umwelt kann Eltern davor zurückschrecken lassen, einen Kopflausbefall der Kinder der Gemeinschaftseinrichtung (Kindergarten, Schule) zu melden. Jedoch nur durch eine rechtzeitige Benachrichtigung kann eine Ausbreitung verhindert und konsequente Bekämpfung sichergestellt werden.

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